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How I learned to love the Blow-Out Preventer

In meinem Rhetorik-Seminar muss ich ja heute wieder einen Vortrag halten. Als Thema habe ich mir die Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko ausgesucht. Ich bin nun ein bisschen unschlüssig: ursprünglich wollte ich nur über die Geschehnisse berichten, besonders über die Versuche, das Leck zu stopfen. Die  Seminarleiterin schlug aber vor, über Wege zu reden, wie man derartige Katastrophen in Zukunft verhindern kann. Nun ja, ich werde wohl einfach beides tun, obwohl ich damit sicherlich den Rahmen sprenge.

Normalerweise schreibe ich immer vorher meine Rede auf, zumindest in Stichpunkten. Da ich ja nun ein tolles Blog habe, will ich das einfach mal hier tun. Meine Notizen hier erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und kommen größtenteils direkt aus meinem Kopf – seriös informieren könnt ihr euch bei richtigen Journalisten. Übrigens: die Notizen kommen nicht mit ins Seminar. Die Hände nimmt man zum Reden, nicht um Karteikarten zu halten 🙂

Also, wir haben ja momentan eine große Umweltkatastrophe im Golf von Mexico: pro Tag laufen zwischen drei und zwölf Millionen Liter Rohöl direkt ins Meer, wobei der Großteil mittlerweile aufgefangen wird. Wie kam es dazu? Dazu muss ich kurz erklären,  wie so eine Bohrplattform überhaupt funktioniert. Die hier eingesetzt Plattform war keine Bohrplattform, sondern eine Erforschungsplattform, die neue Ölquellen erschließen sollte. Die „Deepwater Horizon“ lief 2001 in Südkorea vom Stapel; mit einer Länge von 121m und Baukosten von 350 Millionen Dollar ist so eine Ölplattform schon eine große Ingenieursleistung.

Wir springen neun Jahre nach vorne, zum 20. April 2010. Die Deepwater Horizon ist im Golf von Mexiko stationiert und erschließt dort neue Ölfelder. Man muss sich das so vorstellen: die Plattform selbst schwimmt, und von der Plattform aus geht ein sogenanntes Steigrohr 1500m nach unten bis auf den Meeresgrund. Auf dem Meeresgrund sitzt ein Sicherheitsventil, der sogenannte Blow-Out Preventer, das im Fehlerfall das Steigrohr abtrennt und den Ölfluss versiegen lässt. In dem Steigrohr sitzt auch der Bohrkopf.

An diesem 20. April wurde gerade die neue Quelle mit Spezialbeton versiegelt, damit eben eine herkömmliche Ölplattform die Quelle in Zukunft ausbeuten konnte. Aufgrund eines Management-Fehlers entschied man sich, den schweren Bohrschlamm im Steigrohr durch Seewasser zu ersetzen. In der Folge konnte eine Gasblase, die sich im Steigrohr befand, nach oben steigen und die Plattform explodierte. Zwei Tage später, am 22. April, sank die Plattform dann.

Das Problem nun: es tritt weiterhin Öl aus. Die Plattform ist gesunken, das Steigrohr mehrfach abgeknickt. Normalerweise hätte das Sicherheitsventil am Meeresboden den Ölfluss stoppen sollen, aber das ist nicht passiert.

BP unternahm mehrere Versuche, den Ölfluss zu stoppen. Da das Bohrloch sich allerdings in 1500m Tiefe befindet, ist es nicht möglich, dort Menschen hinzubringen. Die besten Taucher in Spezialanzügen kommen bis 700-800m tief. Also kann man nur ferngesteuerte Roboter verwenden. In einem ersten Versuch wollte man das Sicherheitsventil mittels des Roboter manuell betätigen, aber das Ventil ließ sich nicht schließen. Kontrolliertes Abbrennen an der Oberfläche sowie die Errichtung von Ölbarrieren war nur mäßig erfolgreich, da der Seegang zu stark war. Zwischenzeitlich ging man dazu über, mittels Chemikalien das Öl zu dispersieren, also mit Wasser zu vermischen. Die Sinnhaftigkeit ist fragwürdig, da sich dadurch die Oberfläche des Öls vergrößert und sich so die Toxizität erhöht. Man möchte verhindern, dass das Öl an die Oberfläche steigt und so an die Küsten gespült wird. Allerdings haben sich nun Öl-Blasen unter Wasser gebildet, die 100m hoch und 100km lang sind.

Richtige Unterwasserarbeiten fingen dann mit großen Stahlzylindern an, die über die Lecks gestülpt werden und als eine Art Trichter zur Absaugung des Öls dienen sollten. Die Öffnung dieser Trichter verstopfte allerdings mit Methanhydrat, so dass man diese Option aufgeben musste.

Die Operation „Top Kill“ war ebenfalls erfolglos. Man versuchte, eine Mischung aus Schlamm und Beton in das Loch einzubringen. Es ist nicht klar, wieso diese Methode nicht funktionierte; aber nach drei Tagen gab man auf, da der Ölfluss nicht zufriedenstellend gestoppt werden konnte.

Die letzte Methode könnte man nun zumindest im Ansatz als erfolgreich bezeichnen: die Abdeckung mit dem „Lower Marine Riser Package“. Man verwendete wieder einen Zylinder, um das ausströmende Öl aufzufangen. In diesem Fall aber wurde vorher das Steigrohr abgesägt und der Zylinder sitzt nun auf dem Sicherheitsventil. Damit kann nun der Großteil des ausströmenden Öls aufgefangen werden.

Vollständig kann das Loch erst im August gestopft werden: über zwei seitliche Entlastungsbohrungen wird dann tief unter der Oberfläche schwere Dichtmasse eingebracht.

Wer ist denn nun Schuld? BP, die US-amerikanische Regierung oder Gott?

Für mich ist ganz klar: BP hat da geschlampt. Es war bereits vorher bekannt, dass das eingesetzte Sicherheitsventil einen Monat vor der Explosion beschädigt wurde. Zudem wurden defekte Teile verbaut. BP legte der US-Regierung 2009 einen Bericht zur Sicherheit der Plattformen im Golf von Mexiko. Laut einer Analyse durch Journalisten war der darin aufgeführte Naturschutzberater schon vier Jahre zuvor verstorben. Die als schützenswert aufgeführten Tierarten leben gar nicht im Golf von Mexiko. Angeblich kann BP pro Tag 540000 Barrel Öl aus dem Meer absaugen. Tatsächlich schafft BP bisher 3% dieser Menge.

Wie geht’s jetzt weiter?

Die US-amerikanische Regierung verlangt von BP weitere Pläne, das auslaufende Öl möglichst schnell zu stopfen. Hier sind noch keine Details bekannt.

BP wird sehr wahrscheinlich die Ausschüttung der Dividende dieses Quartals (2,6Mrd $) aussetzen, um genügend Bares zu haben. Zwei US-Bundesstaaten fordern die Einrichtung eines Fonds für Schadensersatzforderungen in Höhe von 7,5 Mrd $. BP hatte Ende März Barmittel von knapp 7 Mrd $. Am Mittwoch sind der Chef von BP, Hayward  und der Chairman, Svanberg, zu einem Gespräch bei Obama eingeladen. Obama besteht darauf, dass BP alle Schadensersatzansprüche zahlt.

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