Startseite > Uncategorized > Wieder ein Vortrag: freie Software & Linux

Wieder ein Vortrag: freie Software & Linux

Es ist mal wieder Zeit: ich muss einen Vortrag halten in meinem Rhetorik-Seminar. In 90 Minuten – daher sollte ich mal langsam mit der Vorbereitung anfangen.

Wer einen Computer zu Hause stehen hat oder ein neueres Handy hat, weiß sicherlich, dass diese Geräte mehr sind als nur die Hardware, die man anfassen kann. Es ist die Software, die ihnen Leben einhaucht und sie erst so nützlich macht. Vor 40-50 Jahren, zur Zeit der großen Rechner, wurde die Software noch kostenlos mitgeliefert, um dem Kunden überhaupt erst die Möglichkeit zu geben, die Computer zu nutzen. Ebenfalls mitgeliefert wurde der Quelltext, damit die Benutzer die Software einfach auf ihre Bedürfnisse anpassen konnten. Irgendwann merkten die Hersteller, dass sich mit Software ebenfalls Geld verdienen lässt, und begannen, ihre Software als Betriebsgeheimnis zu verstehen. Quelltexte wurden nicht mehr mitgeliefert, die Software wurde kostenpflichtig.

Es gab da aber einen jungen Idealisten namens Richard Stallman, dem das nicht gefiel. Er war im Bereich für künstliche Intelligenz (AI lab) am MIT und sah es als seine moralische Pflicht – auch im Rahmen des wissenschaftlichen Diskurs‘ –  freie Software zur Verfügung zu stellen. Er begann mit der Entwicklung des GNU-Systems, bei dem auch bald alle wichtigen Werkzeuge fertig waren. Es fehlte nur noch der Kern des Betriebssystems, der die Schnittstelle zwischen Hardware und Benutzer-Software bildet. Die Arbeit am sogenannten Hurd-Kernel ging nur schleppend voran.

Aber am anderen Ende der Welt gab es einen anderen jungen Mann, der sich gerade einen neuen Computer gekauft hatte. Er war nicht zufrieden mit dem mitgelieferten Betriebssystem und da es gerade Winter war und man im Winter in Finnland das Haus sowieso nicht verlassen möchte,  begann er, sein eigenes Programm zu schreiben. Eigentlich wollte er sich nur mit dem Computer seiner Universität verbinden, aber sein Programm bekam im Laufe der Zeit immer mehr Fähigkeiten. Er entschloss sich, seinen Quelltext der Gemeinde mit dem Hinweis, dass es nur ein Hobby sei und nichts großes und professionelles wie Unix, zur Verfügung zur stellen.

Das ist also bisher die Geschichte zweier Enthusiasten, die aus Spaß an der Technik beziehungsweise aus dem Drang heraus, die Welt zu verbessern, ihre Freizeit in das Schreiben von Software investiert haben und diese als freie Software zu verteilen. Freie Software heißt: jeder darf sie benutzen, jeder darf den Quelltext einsehen, jeder darf sie frei verteilen inklusive seiner Modifikationen. Wieso sollte man sich nun für diese Menschen und ihre Ideen interessieren?

Mittlerweile hat sich das Bild etwas geändert. Große Firmen verdienen Geld mit freier Software und bezahlen Entwickler, damit diese weiterhin freie Software schaffen.

Freie Software ist überall. Der Linux-Kernel von Linus Torvalds in Verbindung mit der Benutzer-Software von Stallman erfuhr rasante Verbreitung. Heute gibt es unzählige sogenannte Distributionen, die ein Paket von Software für allgemeine oder auch sehr spezielle Bedürfnisse bereitstellen – oftmals kostenlos. Tausende Freiwillige auf der ganzen Welt arbeiten hier mit, aus verschiedenen Gründen. Ohne freie Software wäre das Internet so nicht möglich gewesen: 67,4% aller Web-Server laufen unter der freien Software Apache. Linux-Distributoren verkaufen Dienstleistungen rund um Linux: die US-amerikanische Firma Red Hat macht damit beispielsweise einen Umsatz von circa 650 Millionen US-Dollar. Auf 94% der Super-Computer der TOP500-Liste läuft Linux. Das komplette Rechenzentrum von Google läuft mit Linux. Es gibt Schätzungen, nachdem die Entwicklung des Linux-Kernels mit traditionellen Mitteln – also in einer Firma – über eine Billiarde Dollar gekostet hätte.

Aber gut, das ist abstrakt  – Supercomputer und das Rechenzentrum von Google sind für den normalen Bürger nicht von Belang.

Aber: Linux und freie Software ist tatsächlich überall. Das aktuelle Betriebssystem von Apple baut auf freier Software auf. Die Betriebssysteme gehobener Handys, wie z.B. das Android-OS von Google oder die neuen Smartphones von Nokia, basieren auf Linux. Wenn Ihr von euerem Internet-Anbieter einen sogenannten Router bekommen habt, stehen die Chancen gut, dass auch darauf Linux läuft. Wenn Ihr euch ein GPS-Navigations-Gerät von TomTom kauft, läuft darauf auch Linux. Das In-Board-Entertainment in Lufthansa-Flugzeugen läuft unter Linux. Linux wird, da es frei verfügbar ist, auch in Entwicklungsländern eingesetzt und kann hier helfen, die digitale Dividende zu überwinden: das OLPC-Projekt von Nicholas Negroponte setzt zum Beispiel auf Linux, damit die Kinder nicht nur ihre Schulbücher digital lesen können, sondern auch das Gerät selbst verstehen können.

Wenn Ihr also das nächste Mal ein Handy kauft oder auch nur im Internet surft, dann denkt an Richard Stallman, Linus Torvalds und die tausenden Freiwilligen, die unermüdlich Linux und andere Freie Software erschaffen und verbessert haben.

Advertisements
Kategorien:Uncategorized
  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: